Winora Staiger verkauft: Bike Tree übernimmt Marken und Know-how
Der Fahrradhersteller Winora Staiger aus Sennfeld hat wesentliche Vermögenswerte an die Bike Tree GmbH verkauft. Übernommen werden die Marken Winora und Haibike, Warenbestände und Know-how. Der Preis wurde nicht genannt, und laut Bericht 73 der 187 Stellen am Standort fallen weg.
Wer die Marken jetzt führt
Die Suche nach Winora Staiger hat heute Fahrt aufgenommen, weil die Marke aus der Insolvenz heraus verkauft wurde. Nach Angaben von pedelec-elektro-fahrrad.de ist der Käufer die Bike Tree GmbH, ein Unternehmen der Tri Star Group, die auch unter dem Namen DuTech auftritt und ihren Sitz in Singapur hat [1].
Bike Tree übernimmt laut dem Bericht keine Firma im Ganzen. Es handelt sich um einen Asset Deal, also um den Kauf einzelner Vermögenswerte. Dazu gehören die Markenrechte an WINORA und HAIBIKE, die Warenbestände, ausgewählte Betriebs- und Geschäftsausstattung sowie das technische und kaufmännische Know-how [1].
Der Kaufpreis ist nicht bekannt. Der Bericht nennt keine Summe [1].
Was der neue Eigentümer vorhat
Bike Tree will beide Marken weiterentwickeln und den Betrieb am Standort Sennfeld fortführen. Das Unternehmen plant außerdem, die Erfahrung und das internationale Netzwerk von Tri Star in der Fahrradbranche zu nutzen [1].
Für die Kundschaft heißt das vor allem Kontinuität bei den Marken. Die Berichte enthalten keine Angaben zu Sortiment, Preisen oder Modellen. Wer ein Haibike oder einen Winora kauft oder Fragen zur Garantie hat, findet die verlässlichen Antworten derzeit am ehesten beim Händler.
Die Stellen in Sennfeld
Am Standort Sennfeld arbeiteten 187 Beschäftigte. Laut dem Bericht übernimmt der Käufer 87 davon, 73 Stellen fallen weg. Die Lücke erklärt die Quelle mit freiwilligen Kündigungen und anderen Abgängen während des Verfahrens. Die sieben Ausbildungsplätze bleiben erhalten. Die Kürzungen sollen über eine Vereinbarung mit dem Betriebsrat umgesetzt werden [1].
Der Gesamtkonzern hatte im August rund 370 Beschäftigte an den Standorten Sennfeld bei Schweinfurt und Waldsassen in der Oberpfalz angegeben. Die Gruppe nannte für 2025 einen Umsatz von 340 Millionen Euro [3]. Die Zahlen beziehen sich damit auf die gesamte deutsche Gruppe, nicht allein auf Winora Staiger. Zum zweiten Standort Waldsassen nennt der Bericht über den Verkauf keine Angaben, der Käufer übernimmt nach dieser Darstellung den Standort Sennfeld [1].
Wie es zur Insolvenz kam
Die deutschen Gesellschaften gehören zur niederländischen Accell Group, zu der auch Haibike, Winora und Ghost zählen [3]. Die deutsche Holding und drei Töchter, darunter Winora Staiger, Ghost-Bikes und E. Wiener Bike-Parts, beantragten im August Insolvenz in Eigenverwaltung. Das Amtsgericht Schweinfurt bestätigte die Anordnung, die Löhne der Beschäftigten sind zunächst durch Insolvenzgeld gedeckt [3].
Ein Verkauf der gesamten Gruppe war zuvor gescheitert. Ziel war deshalb, einen Investor für die deutschen Marken zu finden und sie von der niederländischen Muttergesellschaft zu trennen [3].
Die Vorgeschichte reicht weiter zurück. Der Konzern wurde 2022 im Konsortium mit Teslin für rund 1,56 Milliarden Euro übernommen, und die Schulden lagen zuletzt bei etwa 1,4 Milliarden Euro. Im Frühjahr 2026 gab es einen Schuldenschnitt [4]. Im September hieß es laut dem Fachmagazin, der Konzern stoße nach Branchenberichten auf reges Interesse. Namen nannte es nicht [4].
Das Management um Joost van Schaik verbleibt laut dem Fachmagazin in der Eigenverwaltung, begleitet von der Restrukturierungskanzlei Grub Brugger. Die DZB Bank hat laut dem Bericht zugesagt, dass die reguläre Warenauslieferung und Zahlungsabwicklung gesichert ist [4]. Für Händler ist das ein Signal, dass der Betrieb nicht allein am Verkauf der Marken hängt.
Die Löhne sind zunächst durch Insolvenzgeld gedeckt, ein Enddatum für diese Absicherung nennt der Bericht nicht [3]. Die niederländische Muttergesellschaft Accell Group B.V. hat ihrerseits in Amsterdam Insolvenz angemeldet [4].
Das Gericht hatte das Verfahren zunächst in Eigenverwaltung angeordnet. Am 29. Oktober 2026 eröffnete das Amtsgericht Schweinfurt das Verfahren formell, und am selben Tag unterschrieben die Beteiligten den Kaufvertrag [1]. Den Vertrag unterzeichneten laut dem Bericht Lei Chen für Bike Tree und Joost van Schaik für Winora [1].
Was als Nächstes kommt
Der Vollzug des Verkaufs steht unter den üblichen Bedingungen und war für Anfang November vorgesehen [1]. Bis dahin ist offen, ob alle Bedingungen erfüllt werden. Es ist ein Verkauf einzelner Vermögenswerte und nicht der Gesellschaft als Ganzes [1].
Der Verkauf fällt in eine Phase, in der die Accell-Gruppe in mehreren Ländern Insolvenz angemeldet hat [3]. Beobachten lohnt sich in drei Punkten. Erstens, ob der Vollzug im November wie geplant erfolgt. Zweitens, ob der Käufer den Preis oder die Summe nennt, die er bezahlt hat. Drittens, wie viele der 87 übernommenen Stellen am Standort bleiben, wenn die Umstellung läuft. Die Antworten dürften zuerst im Insolvenzverfahren und bei den Fachmedien auftauchen, wo die Berichte bisher die Details lieferten.
Quellen
- Winora Staiger: Bike Tree übernimmt wesentliche Vermögenswerte, pedelec-elektro-fahrrad.de (3. November 2026)
- Eine Marke macht dicht: Deutscher Fahrrad-Hersteller nach Pleite verkauft, Bild (3. November 2026)
- Fahrrad-Gruppe stellt Insolvenzantrag, inFranken.de (dpa) (3. November 2026)
- Haibike, Ghost und Winora: Accell Deutschland sucht den Weg aus der Krise, TOUR (3. November 2026)