Grupp junior zur Audi-Debatte: Was der Trigema-Chef über den Standort sagt
Trigema-Chef Wolfgang Grupp junior hält die Debatte um Audi-Chef Gernot Döllners Auftritt bei einer Trump-Veranstaltung für zweitrangig [s:echo24-grupp-audi]. Wichtiger sei, warum Audi in den USA investiert [s:stuttgarter-grupp-audi]. Als Standortprobleme nennt er hohe Energiekosten, hohe Lohnnebenkosten und Bürokratie [s:echo24-grupp-audi].
Wolfgang Grupp junior, Chef des Textilherstellers Trigema, hat sich am 27. Oktober zur Debatte über Audi geäußert. Auslöser war der Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner bei einer Wahlkampfveranstaltung von Donald Trump. Grupp findet, dieser Streit verdecke das eigentliche Problem: den Standort Deutschland [1].
Die Frage, die Grupp stellt
Für Grupp ist entscheidend, warum Audi investiert. Er sagt: „Wir müssen uns eher fragen: Was haben die USA richtig gemacht, dass Audi vier Milliarden investiert?“ [2]. Daraus leitet er eine Forderung an Deutschland ab: Wenn hier investiert werden soll, „muss der rote Teppich für die Firmen ausgebreitet werden“ [1].
Audi plant laut dpa ein Werk in Georgia mit einer Investition von vier Milliarden Dollar. Dort sollen rund 200.000 Sport-SUVs pro Jahr entstehen und etwa 4.500 Arbeitsplätze geschaffen werden [1].
Die Standortprobleme
Grupp beschreibt die Lage so: „Wir reden in Deutschland nicht über Standortaufbau, sondern über Standortschließungen“ [1]. Als Gründe nennt er hohe Energiekosten, hohe Lohnnebenkosten und Bürokratie. Die Gaspreise seien seit Jahresbeginn stark gestiegen, eine Zahl nennt er nicht [1].
Im Bericht taucht auch das Audi-Werk in Neckarsulm auf. Dort arbeiten mehr als 15.000 Beschäftigte, und das Werk steht wegen der VW-Krise und der Sparpläne unter Druck. Bis Ende Juni 2027 muss ein neues Konzept vorliegen [1].
Die drei Punkte, die Grupp nennt, lassen sich getrennt betrachten: Energie, Arbeitskosten und Verwaltung. Bei der Energie verweist er darauf, dass die Preise deutlich über dem US-Niveau liegen [1]. Bei den Arbeitskosten geht es um die Lohnnebenkosten, bei der Bürokratie um Genehmigungsverfahren. Grupp verbindet alle drei mit seiner Kritik, dass Deutschland über Schließungen statt über neue Standorte spricht.
Das Beispiel Trigema
Grupp führt das eigene Energiezentrum in Burladingen an. Es kostet mehrere Millionen Euro, damit die Produktion läuft. Die Baugenehmigung dauerte sieben Monate, obwohl das Unternehmen früh mit den Behörden gesprochen hatte, und einen Zuschuss hat Trigema nicht beantragt [1]. Verschiebt sich der geplante Start von 2027 auf 2028, würde das die Firma nach Grupps Angaben teuer zu stehen kommen [2].
Zwei Ebenen der Debatte
Der Streit hat zwei Ebenen. Die erste ist politisch: der Auftritt eines Konzernchefs bei einer Wahlkampfveranstaltung in den USA. Die zweite ist wirtschaftlich: wo ein Autokonzern künftig baut. Grupp will die zweite Ebene in den Mittelpunkt stellen und sieht die erste als Ablenkung [1]. Beim Neckarsulmer Werk, das mit mehr als 15.000 Beschäftigten im Konzern eine große Rolle spielt, geht es um genau diese zweite Frage [1].
Was als Nächstes wichtig ist
Die Debatte dreht sich um Investitionsentscheidungen großer Autohersteller, betrifft aber auch Mittelständler wie Trigema. Die Entscheidung über das Neckarsulmer Konzept fällt bis Ende Juni 2027. Bis dahin zeigt sich an konkreten Standortentscheidungen, ob die Debatte über Energiepreise und Bürokratie in Berlin und Stuttgart praktische Folgen hat.
Quellen
- Grupp junior: Audi-Debatte verdeckt Standortprobleme, echo24 (dpa) (31. Oktober 2026)
- Wolfgang Grupp junior: Das sollten wir uns eher fragen - Trigema-Chef hält Audi-Debatte für verfehlt, Stuttgarter Zeitung (31. Oktober 2026)